Die Preisträger des Deutschen Arbeitsschutzpreises 2021

Am 26. Oktober 2021 wurden die Gewinner des Deutschen Arbeitsschutzpreises 2021 in den Kategorien Strategisch, Betrieblich, Kulturell, Persönlich und Newcomer öffentich präsentiert. Die Verleihung fand im Rahmen der Eröffnung der Fachmesse A+A in Düsseldorf statt.

Kategorie "Strategisch"

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LyondellBasell AG

Alle 4 bis 5 Jahre legt das weltweit agierende Kunststoff-, Chemie- und Raffinerieunternehmen LyondellBasell ganze Anlagen still, um sie auf Sicherheit zu prüfen. Bei diesen Großabstellungen finden sich in Spitzenzeiten bis zu 150 verschiedene Firmen mit rund 2.000 Mitarbeitenden an den Standorten ein. Bisher musste man deren fachlicher Eignung für die zugeteilten Gewerke nahezu blind vertrauen. Leider wurde in der Vergangenheit klar, dass bis zu einem Drittel des eingesetzten Prüfpersonals für die Aufgabe nicht ausreichend qualifiziert war oder das hohe Sicherheitsniveau von LyondellBasell nicht erfüllte – ein ärgerlicher Zustand, der in zeitintensiven und kostspieligen Nachschulungen während der Großabstellung resultierte. Nun hat ein Projektteam den entsprechenden Onboarding-Prozess selbst auf den Prüfstand gestellt. Am Standort Wesseling müssen jetzt alle Dienstleistenden bereits im Vorfeld ihre theoretische sowie praktische Fachkenntnis nachweisen. Dazu sind in einer Prüfungssituation, die auf die Besonderheiten des jeweiligen Gewerks angepasst ist, unterschiedlichste Aufgaben zu bewältigen. Nur wer die Qualifikationstests im gewünschten Maß besteht, erhält den notwendigen Werksausweis mit dem unübersehbaren Qualitätssiegel. Damit garantiert das Unternehmen, dass trotz des angespannten Fachkräfte-Arbeitsmarkts nur geeignetes Prüfpersonal zum Einsatz kommt. Dies erhöht die Gesamtsicherheit aller Anlagen.

Kategorie "Betrieblich"

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Altendorf GmbH

Mit ihrem Projekt „Hand Guard“ hat die Altendorf GmbH aus Minden ein Assistenzsystem entwickelt, das Gefahrensituationen an der Kreissäge frühzeitig erkennt und die Maschine unverzüglich abschaltet – auch wenn sich die Hand sehr schnell nähert. Bisherige Sicherheitssysteme zum Schutz vor Handunfällen bestanden lediglich darin, Finger am oder unmittelbar vor dem Sägeblatt zu erkennen. Eine solche verzögerte, ungeregelte Abschaltreaktion kommt nicht nur zu spät, um Verletzungen sicher zu verhindern, sondern geht oft auch mit Beschädigungen von Werkstück oder Werkzeug einher. Das Projekt „Hand Guard“ zielte deshalb auf genau diese Probleme. Nach umfangreichen Analysen von Unfallhergängen und Ursachen entstand ein Sicherheitssystem, das Gefahrensituationen frühzeitig erkennt und die Maschine unverzüglich geregelt abschaltet – auch bei Annäherung der Hand mit höherer Geschwindigkeit. Anders als bei bisherigen Sicherheitssystemen kann die Person nach einfacher Bestätigung an der Säge weiterarbeiten. Zusätzlich können alle Beinahe-Unfälle über die Kameratechnik ausgewertet werden.

 

Kategorie "Kulturell"

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Tierpark Bochum gGmbH

Mit fast 350.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr ist der Tierpark Bochum eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region. Rund 60 Beschäftigte sind bei der täglichen Versorgung der knapp 4.000 Tiere naturgemäß diversen Gefahren ausgesetzt. Die Tierpark Bochum gGmbH hat deshalb vor einigen Jahren ein Managementsystem für Sicherheit und Gesundheitsprävention bei der Arbeit eingeführt, das von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) bereits zweimal begutachtet und für beispielhaft in der Reihe deutscher Zoos befunden wurde. Das System integriert individuelle Risikoanalysen, Qualifizierungsmaßnahmen, persönliche Schutzausrüstungen und Wirksamkeitskontrollen zu einem stimmigen multimodalen Sicherheitskonzept. Um die Transparenz und Messbarkeit der Maßnahmen jederzeit zu gewährleisten, sind diese in einer speziellen Matrix strukturiert. 2019 hat sich der Zoo im Rahmen eines neuerlichen Audits nochmals erfolgreich begutachten lassen und so für weitere drei Jahre das AMS-Gütesiegel erhalten. Weil das Konzept im täglichen Handeln stets präsent ist und laufend optimiert wird, ist es längst zu einem selbstverständlichen Teil der Unternehmenskultur geworden – mit messbarem Erfolg.

Kategorie "Persönlich"

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Harald Gerjets Raumausstatter-Meisterbetrieb

Der Raumausstatter-Meisterbetrieb von Harald Gerjets in Aurich fertigt unter anderem Markisen und Sonnenschutzanlagen. Alle Schritte der Lieferung und Montage sind mit einem hohen Potenzial für rückenbelastende Bewegungen verbunden, da die Anlagen teilweise bis zu 150 kg wiegen. Dazu kommt das Risiko von Abstürzen, wenn etwa in größeren Höhen, auf Leitern oder Gerüsten gearbeitet werden muss. Dieser Gefahr wollte der Inhaber seine Belegschaft nicht länger aussetzen. Kurzerhand entwickelte er in Zusammenarbeit mit einigen Beschäftigten Hilfsmittel, die die Be- und Entladung sowie die Montage merklich erleichtern und gleichzeitig die Sturzgefahr minimieren. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Hilfsmittel wie ein Anhänger mit ausziehbarer Deichsel und Lichtleiste, ein adaptierter Kanuwagen und ein Markisenlift miteinander kombiniert. Das Konzept ermöglicht nun auch älteren, weiblichen sowie weniger kräftigen Mitarbeitenden, ohne Gesundheitsgefahr überall mit „anzupacken“. Das Zusammenspiel der Komponenten ist dauerhaft nutzbar und kann theoretisch nicht nur in anderen Unternehmen, sondern sogar für gänzlich andere Zwecke angewendet werden.

Kategorie "Newcomer"

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WandelWerker Consulting GmbH

Anna und Stefan Ganzke aus Wuppertal beraten Unternehmen zu Themen der Arbeitssicherheit. Das Gründerpaar hat im April 2020 den kostenlosen WandelWerker Podcast auf den Markt gebracht. Die Zeit dafür war gut gewählt: Die Nachfrage nach Podcasts steigt stetig – und das Thema Arbeitssicherheit war im Hörsegment kaum vertreten. Die wöchentlich sonntags erscheinenden, 30 bis 60 Minuten langen Folgen können auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, iTunes etc. abonniert werden. Sie motivieren mit einer großen Bandbreite sicherheitsrelevanter Themen zu sicherem Verhalten am Arbeitsplatz, zur Weiterentwicklung einer Sicherheitskultur und Umsetzung von Schutzmaßnahmen. In jeder Folge kommen spezialisierte Fachleute zu Wort: Sicherheitsingenieurinnen und -ingenieure (z.B. von E.ON, Audi oder Bayer), Institutionen (z.B. DGUV, BAuA, BMAS) oder Expertinnen und Experten aus themenverwandten Gebieten (z.B. Juristinnen und Juristen, Coaches, Redakteurinnen und Redakteure). Auch prominente Stimmen wie Ranga Yogeshwar oder Peter Brandl waren schon eingeladen. Einzelne Themen erhalten in Solo-Folgen eine größere Bühne, etwa ein Arbeitsschutz-Erfolgsjournal oder ein Safety Culture Onlinekurs. Stand August 2021 sind über 80 Folgen zusammengekommen, die rund 28.000-mal angehört wurden. Der Podcast zählt aktuell 8.700 Abonnenten. Die meisten Themen – z.B. Corona-Schutzmaßnahmen – sind auf eine Vielzahl von Branchen auslegbar.