13 Nominierungen zeigen Bandbreite praktischer Ideen für einen gesunden Arbeitsplatz

Nach einem wegen der Coronapandemie besonders herausfordernden Jahr stehen nun die Nominierten für den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2021 fest

Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit nützt jeder und jedem Beschäftigten, aber es hilft Unternehmen auch im Wettbewerb. Um besonders wirksame und gut übertragbare Lösungen bekannter zu machen, vergeben das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) alle zwei Jahre den Deutschen Arbeitsschutzpreis.

Elf Expertinnen und Experten aus Verbänden, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft haben aus 176 Bewerbungen die Nominierungen für die Kategorien „Strategisch“, „Betrieblich“, „Persönlich“, „Kulturell“ und „Newcomer“ ausgewählt. Am 26. Oktober 2021 werden die Gewinnerinnen und Gewinner den pro Kategorie mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Arbeitsschutzpreis 2021 entgegennehmen. Die festliche Preisverleihung erfolgt auf der Fachmesse A+A in Düsseldorf.

Der Deutsche Arbeitsschutzpreis ist Teil der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA). Unter dem Dach der GDA führen das BMAS, der LASI und die DGUV ihre Aktivitäten rund um den betrieblichen Arbeitsschutz zusammen. Offizieller Kooperationspartner des Deutschen Arbeitsschutzpreises sind die Messe Düsseldorf und die Bundesgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi).

In der Kategorie „Strategisch“ werden Managementlösungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit mit weitreichenden Folgen für Betrieb und Belegschaft ausgezeichnet. Nominiert sind:

Bayer AG, Division Crop Science

Mit der Krimi-Ralley „SOKO Sicherheit – Detektive gesucht!“ reagiert die Bayer AG auf einen Anstieg von Stolper-, Sturz- und Rutschunfällen am Standort Frankfurt. Dabei absolvierten die Beschäftigten in Kleingruppen eine „Tatortbegehung“ (realer Unfallort im Betrieb) und erstellten „Tätersteckbriefe“ (z.B. Pfütze als Täter). Ergänzt wurde das Spiel mit einer spektakulären Treppensturz-Simulation durch eine erfahrene Stuntfrau. Zusätzlich wurden identifizierte Gefahrstellen erfasst und nach Möglichkeit beseitigt.

LyondellBasell AG

Alle 4 bis 5 Jahre legt das weltweit agierende Kunststoff-, Chemie- und Raffinerieunternehmen LyondellBasell ganze Anlagen still, um sie auf Sicherheit zu prüfen. Bei diesen Großabstellungen finden sich in Spitzenzeiten bis zu 150 verschiedene Firmen mit rund 2.000 Mitarbeitenden an den Standorten ein. Am Standort Wesseling müssen alle Dienstleistenden bereits im Vorfeld ihre theoretische sowie praktische Fachkenntnis in Prüfungssituationen mit den Besonderheiten der jeweiligen Gewerke nachweisen. Nur wer diese Qualifikationstests besteht, erhält den notwendigen Werkausweis. Damit erhöht das Unternehmen die Gesamtsicherheit aller Anlagen.

Mercedes-Benz AG

Mit der interaktiven Ausstellung „SICHER WERKSTATT“ hat der Automobilhersteller Mercedes-Benz am Standort Sindelfingen sein bereits seit 2016 laufendes Sicherheitsprojekt „go!MO 4 safety“ ergänzt. Um Arbeitssicherheit erlebbar zu machen, begegnen die Teilnehmenden an 20 interaktiven Stationen Gefahrensituationen aus ihrem Arbeitsalltag. Zum Beispiel wird per VR-Brille das eingeschränkte Blickfeld vom Gabelstapler aus simuliert. Die Exponate sind mobil und können somit auch an anderen Standorten gezeigt werden.

In der Kategorie „Betrieblich“ werden kreative und innovative Lösungen auf Betriebsebene ausgezeichnet, die der gesamten Belegschaft zugutekommen. Nominiert sind:

Altendorf GmbH

Mit ihrem Projekt „Hand Guard“ hat die Altendorf GmbH aus Minden ein Sicherheitssystem entwickelt, das Gefahrensituationen an der Kreissäge frühzeitig erkennt und die Maschine unverzüglich abschaltet – auch wenn sich die Hand sehr schnell nähert. Anders als bei bisherigen Sicherheitssystemen kann die Person danach nach einfacher Bestätigung an der Säge weiterarbeiten. Zusätzlich können alle Beinahe-Unfälle über die Kameratechnik ausgewertet werden. Nach ausführlicher Abstimmung mit der Berufsgenossenschaft Holz und Metall wurde das System zur Benutzung freigegeben. Erste damit ausgestattete Maschinen sind bei Testkunden bereits im Probebetrieb.

EBZ SysTec GmbH

Die Innenräume von Großpressen sind trotz Hintertretschutz mittels Lichtgittern vielfach nicht ausreichend gesichert. Hält sich eine Person darin auf, während eine zweite Person die Presse versehentlich startet, kann das tödliche Folgen haben. Der Ravensburger Werkzeug- und Anlagenbauer EBZ SysTec hat nun SynchroSpot400 entwickelt, bei der mithilfe innovativer Bewegungssensoren auf Radarbasis eine sichere Innenraumüberwachung erfolgt. Die Technologie ist für vielfältige Einsatzgebiete geeignet. Derzeit prüft die Berufsgenossenschaft Holz und Metall die Möglichkeit, das Konzept als Standard für alle Großpressen einzuführen.

POLY-SEL GmbH & Co.KG

Tisch- und Formatkreissägen gehören zu den mit Abstand gefährlichsten Maschinen in der Holz- und Kunststoffverarbeitung. Gängige Schutzvorrichtungen können vor allem bei keilförmigen, runden oder zylindrischen Werkstücken nicht alle Gefahren verhindern. Der Stadtlohner Kunststoffverarbeiter POLY-SEL entwickelte deshalb eine Sicherungsvariante für entsprechende Werkstücke. Sie passt sich der Form des zu sägenden Bauteils an und fixiert es gleichmäßig, wodurch ein Ausbrechen verhindert wird.

In der Kategorie „Kulturell“ werden verhaltens- und verhältnisändernde Maßnahmen ausgezeichnet. Nominiert sind:

Schlosser Holzbau GmbH

Die Schlosser Holzbau GmbH in Jagstzell hat mit dem „SCHLOSSER Partner-Check“ ein Konzept entwickelt, bei dem die Beschäftigten bei gefahrenträchtigen Arbeiten gegenseitig aufeinander aufpassen. So muss etwa vor dem Einsatz auf Baustellen grundsätzlich ein Partner-Check-Formular unterschrieben werden. In Produktionsräumen und auf Betriebsfahrzeugen prangen Aufkleber mit dem Aktions-Logo und an Gerüsten erinnern Banner an die Selbstverpflichtung. Mittlerweile hat die Holzbau Deutschland das Programm für alle Beschäftigten übernommen.

Tierpark Bochum gGmbH

Die Tierpark Bochum gGmbH hat zum Schutz der Beschäftigten ein Managementsystem für Sicherheit und Gesundheitsprävention bei der Arbeit eingeführt. Das für deutsche Zoos beispielhafte System integriert individuelle Risikoanalysen, Qualifizierungsmaßnahmen, persönliche Schutzausrüstungen und Wirksamkeitskontrollen zu einem stimmigen multimodalen Sicherheitskonzept.

In der Kategorie „Persönlich“ werden Maßnahmen ausgezeichnet, bei denen Schutz, Sicherheit und Gesundheit jedes bzw. jeder Einzelnen im Vordergrund stehen. Nominiert sind:

Harald Gerjets Raumausstatter-Meisterbetrieb

Lieferung und Montage von Markisen und Sonnenschutzanlagen sind mit einem hohen Potenzial für rückenbelastende Bewegungen und dem Risiko von Abstürzen verbunden. Raumausstattermeister Harald Gerjets aus Aurich entwickelte zusammen mit einigen Beschäftigten Hilfsmittel, die die Be- und Entladung sowie die Montage merklich erleichtern und gleichzeitig die Sturzgefahr minimieren.

Günzburger Steigtechnik GmbH

In Büro- und Industriegebäuden muss für Wartungsarbeiten oder Installationen oft Mobiliar verschoben oder abgebaut werden, um Platz für Leitern zu schaffen. An den betroffenen Stellen kann dann nicht weitergearbeitet werden. Mit dem Desk-Surfer hat die Günzburger Steigtechnik GmbH jetzt eine mobile Plattform für Höhenarbeiten geschaffen. Das vermeidet nicht nur Störungen des laufenden Betriebs, sondern ist auch deutlich sicherer als Leitern oder Steckgerüste. Der Desk-Surfer ist bereits serienreif und wurde in das Arbeitsschutzprämien-Programm der BG BAU aufgenommen.

Sonepar Deutschland Region Nord-Ost GmbH

Im Sonepar-Logistikzentrum Garbsen werden vom Logistikpersonal täglich bis zu 400 Kabeltrommeln manuell bewegt, die bis zu 80 kg wiegen. Gemeinsam mit der Firma Hayer Metalltechnik wurde ein lenkbarer Spezial-Greifarm konzipiert, der die Trommeln sicher aufnehmen, anheben und wieder absetzen kann.

In der Kategorie „Newcomer“ können Unternehmen ausgezeichnet werden, die nicht älter als 10 Jahre sind und nicht mehr als 50 Beschäftigte haben, vorausgesetzt, sie bieten Neuentwicklungen oder wesentliche Verbesserungen von Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen an, die die Arbeit von Menschen sicherer und/oder gesünder machen. Nominiert sind:

Beck Kommunikationselektronik

Die Firma Beck Kommunikationselektronik aus Stockach hat eine spezielle Maschinenfreischaltung mittels personalisiertem RFID-Chip entwickelt, die beispielsweise im Zusammenhang mit ergonomisch optimierten Arbeitsplätzen eingesetzt werden kann. Denn wechselt ein Beschäftigter den Arbeitsplatz, müssen die Einstellungen jedes Mal neu erfolgen. Das Einlesen des Chips, auf dem die vorab ermittelte Ideal-Arbeitshöhe gespeichert ist, lässt einen Hubtisch zum Beispiel schnell und präzise auf die richtige Arbeitshöhe fahren. Auch spezielle Berechtigungen für die Nutzung einer Maschine können auf dem Chip gespeichert werden.

WandelWerker – Anna und Stefan Ganzke GbR

Anna und Stefan Ganzke aus Wuppertal beraten Unternehmen zu Themen der Arbeitssicherheit. Seit April 2020 veröffentlichen sie den „WandelWerker Podcast“, Deutschlands ersten Arbeitsschutz-Podcast. Bislang sind über 80 Folgen der Schwerpunktgespräche zusammengekommen, die rund 28.000-mal angehört wurden. Die Folgen erscheinen sonntags und können auf allen gängigen Plattformen abonniert werden. Sie informieren beispielsweise über Themen wie sicheres Verhalten am Arbeitsplatz, Weiterentwicklung einer Sicherheitskultur und Umsetzung von Schutzmaßnahmen.

 

Pressekontakte:

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
Stefan Boltz
Tel.: 030/13001-1414

Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI)
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Alice Engel
Tel.: 0611/ 3219-3408

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Pressestelle
Tel.: 030/18 527 21 90

Wettbewerbsbüro Deutscher Arbeitsschutzpreis
c/o 3c Creative Communication Concepts GmbH
Andreas Chulia
Tel.: 089/322 993-0
E-Mail:

 

Zurück