Der Deutsche Arbeitsschutzpreis 2021: Das sind die Nominierten

176 Bewerbungen in fünf Kategorien wurden geprüft. 13 Finalteilnehmende haben die Fachjury besonders überzeugt. Entdecken Sie unten die Portraits der nomierten Engagements! Zu den mit dem Deutschen Arbeitsschutzpreis 2021 ausgezeichneten Unternehmen geht es hier.

Den Publikumspreis gewonnen hat:

Die Mercedes-Benz AG aus Sindelfingen für die "SICHER WERKSTATT"!

 

Kategorie "Strategisch"

In der Kategorie „Strategisch“ werden Managementlösungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit mit weitreichenden Folgen für Betrieb und Belegschaft ausgezeichnet.

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Bayer AG, Division Crop Science

Nach einem signifikanten Anstieg von Stolper-, Sturz- und Rutschunfällen am Standort Frankfurt (16 gemeldete Vorfälle zwischen 2016 und 2018) sah die Bayer AG dringenden Bedarf an erhöhter Aufmerksamkeit für das Thema. Mit dem kreativpädagogischen Selbsterlebnis „SOKO Sicherheit – Detektive gesucht!“ initiierte das eingesetzte Projektteam eine verpflichtende Veranstaltung, die den Spieltrieb der Belegschaft ansprechen sollte. Beworben wurde der interaktive Safety Walk über Flyer sowie den firmeninternen Windows Logscreen. An 50 flexibel wählbaren Terminen steuerten über 700 Mitarbeitende in Kleingruppen bekannte Gefahrstellen ihres Betriebs an. Dort erwartete sie eine regelrechte Krimi-Rallye mit „Tatortbegehung“ (realer Unfallort im Betrieb), „Tätersteckbriefen“ (z.B. Pfütze als Täter) und einer Karte, die alle Unfallorte der Jahre 2016 bis 2018 zeigt. Highlight war eine Treppensturz-Simulation durch eine erfahrene Stuntfrau. Zusätzlich wurden identifizierte Gefahrstellen erfasst und nach Möglichkeit beseitigt. Die Resonanz aus der Belegschaft war sehr positiv und der Rückgang von Sturzunfällen auf nur 2 in den Jahren 2019 und 2020 spricht für einen nachhaltigen Lerneffekt.

 

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Mercedes-Benz AG

Mit der SICHER WERKSTATT hat der Automobilhersteller Mercedes-Benz am Standort Sindelfingen Arbeitssicherheit einmal völlig neu gedacht. Das Ergebnis ist eine interaktive Ausstellung, die das bereits seit 2016 laufende Sicherheitsprojekt „go!MO 4 safety“ um ein didaktisch durchdachtes Gesamtkonzept ergänzt. Ziel ist die positive Belegung des Themas Arbeitssicherheit durch echte Erlebnisse statt theoretische Belehrungen. An 20 interaktiven Stationen begegnen die Teilnehmenden Situationen aus ihrem echten Arbeitsalltag, welche sie für Gefahren sensibilisieren sollen. Zum Beispiel wird per VR-Brille das eingeschränkte Blickfeld vom Gabelstapler aus simuliert – und so das eigene Verhalten im Umfeld des Fahrzeugs neu bewertet. An jeder Spielstation wird die entsprechende Take-away-Message auf einer Postkarte zusammengefasst und nochmals im Team reflektiert. Die Resonanz ist hervorragend: Bisher haben über 2.300 Teilnehmende die SICHER WERKSTATT besucht und sich im Team den Herausforderungen gestellt. Ein großer Vorteil des Konzepts ist die mobile Gestaltung der Exponate; sie können im Sinne einer Wanderausstellung jederzeit auch in anderen Abteilungen oder an anderen Standorten gezeigt werden.

Kategorie "Betrieblich"

In der Kategorie „Betrieblich“ werden kreative und innovative Lösungen auf Betriebsebene ausgezeichnet, die der gesamten Belegschaft zugutekommen.

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EBZ SysTec GmbH

Der Ravensburger Werkzeug- und Anlagenbauer EBZ SysTec ist zwar nicht auf den Bau von Pressen spezialisiert, hat aber mit der SynchroSpot400 eine äußerst sichere und präzise Großpresse entwickelt. Auslöser für das Projekt war die bisher sehr mangelhafte Sicherung der Innenräume solcher Maschinen. Hält sich nämlich eine Person darin auf, während eine zweite Person die Presse versehentlich startet, kann das tödliche Folgen haben. Um unbemerktes Betreten zu verhindern, setzt man aktuell auf Mitarbeiteranweisungen und Hintertrittschutz mittels vertikalen Lichtgittern. Die Lichtgitter-Lösung ist insofern hochproblematisch, als sie nur bei voller Belegung der Presse durch große Werkzeuge greift. Kleinere, nicht raumfüllende Werkzeuge lassen die zusätzliche Anwesenheit von Personal zu. EBZ SysTec hat nun mithilfe innovativer Bewegungssensoren auf Radarbasis eine sichere Innenraumüberwachung konzipiert. Die Technologie ist bei geringem Material- und Kostenaufwand für vielfältige Einsatzgebiete geeignet; erste Anfragen liegen dem Unternehmen vor. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall BGHM prüft derzeit die Möglichkeit, das Konzept als Standard für alle Großpressen einzuführen.

 

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POLY-SEL GmbH & Co.KG

Tisch- und Formatkreissägen gehören zu den mit Abstand gefährlichsten Maschinen in der Holz- und Kunststoffverarbeitung. Gängige Schutzvorrichtungen decken nicht alle Arten von Gefahrsituationen ab. So besteht z.B. bei keilförmigen, runden oder zylindrischen Werkstücken stets die Gefahr, dass sie vom rotierenden Sägeblatt aus der Sicherungsvorrichtung herausgeschleudert werden. Durch solche Geschehnisse kam es in der Branche bereits zu schweren Schnitt- und Amputationsverletzungen, Prellungen und Knochenbrüchen. Dieses Risiko wollte man beim Stadtlohner Kunststoffverarbeiter POLY-SEL nicht länger hinnehmen und entwickelte deshalb im Team eine Sicherungsvariante für die Arbeit an genau den oben beschriebenen Werkstückformen. Die Vorrichtung wird nicht in der Führung des Maschinentischs gelenkt, sondern darin fest angebracht. Sie passt sich der Form des zu sägenden Bauteils an und fixiert es gleichmäßig auf dem Anschlag. Durch die gleichmäßige Kraftverteilung wird ein Ausbruch zuverlässig verhindert.

Kategorie "Kulturell"

In der Kategorie „Kulturell“ werden verhaltens- und verhältnisändernde Maßnahmen ausgezeichnet.

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Schlosser Holzbau GmbH

Kaum ein Beruf birgt ein so großes Risiko von Abstürzen wie das Zimmereihandwerk. Gerade langjährige Routine lässt die Männer und Frauen auf den Dächern in Sachen Sicherung manchmal unvorsichtig werden. Die Schlosser Holzbau GmbH in Jagstzell hat deshalb ein Konzept entwickelt, das für die entsprechenden Gefahren sensibilisieren soll und gegenseitige Verantwortung in den Köpfen aller Mitarbeitenden verankert. Mit dem „SCHLOSSER Partner-Check“ wurde nun erreicht, dass bei gefahrenträchtigen Arbeiten jeder auf jeden aufpasst – und jeder es wagt, Gefahrenquellen offen anzusprechen, selbst wenn die Praktikantin oder der Praktikant langjährige Vorgesetzte ungesichert „erwischt“. Zu diesem Zweck muss etwa vor dem Einsatz auf Baustellen als symbolischer, aber wirkungsvoller Akt grundsätzlich ein Partner-Check-Formular unterschrieben werden. In Produktionsräumen und auf Betriebsfahrzeugen prangen Aufkleber mit dem Aktions-Logo, an Gerüsten erinnern aufmerksamkeitsstarke Banner an die erlernte Selbstverpflichtung. Der praxisnahe Partner-Check funktioniert so gut, dass die Holzbau Deutschland ihn bereits übernommen hat und für alle Mitglieder aufbereitet. Profitiert hat auch das Teambewusstsein der Belegschaft von Schlosser Holzbau; es ist offensichtlich wohltuend, um die Bereitschaft zur Übernahme gegenseitiger Verantwortung zu wissen.

Kategorie "Persönlich"

In der Kategorie „Persönlich“ werden Maßnahmen ausgezeichnet, bei denen Schutz, Sicherheit und Gesundheit des Einzelnen im Vordergrund stehen.

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MUNK Günzburger Steigtechnik (MUNK GmbH) in Zusammenarbeit mit SPIE Deutschland und Zentraleuropa GmbH

In Büro- und Industriegebäuden muss für Wartungsarbeiten oder Installationen oft Mobiliar verschoben oder abgebaut werden, um Platz für Leitern zu schaffen. An den betroffenen Stellen kann dann nicht weitergearbeitet werden, bis die Montage beendet ist. Mit dem Desk-Surfer hat die MUNK Günzburger Steigtechnik in Zusammenarbeit mit SPIE Deutschland und Zentraleuropa jetzt eine mobile, schlanke Plattform für Höhenarbeiten geschaffen, die z.B. Schreibtische, Maschinen oder Förderbänder einfach unterfährt. Das vermeidet nicht nur Störungen des laufenden Betriebs, sondern ist auch deutlich sicherer als etwa Leitern oder Steckgerüste. Die geräumige, dreiseitig von einem Geländer umgebene und mit einer Knieleiste versehene Plattform aus Aluminium-Riffelblech lässt sich bis auf eine Höhe von 3,60 Meter ausfahren. Alle Komponenten sind auf stabilen Stand, maximale Rutschfestigkeit und optimale Sichtbarkeit ausgerichtet. Trotzdem ist der rollengelagerte Desk-Surfer so wendig, dass er von einer Person allein zum Einsatzort transportiert und werkzeuglos dort platziert werden kann. Dank seiner kompakten Abmessungen passt er durch fast alle Türen sowie in Personenaufzüge und beansprucht nicht viel Platz bei der Lagerung. Er ist bereits serienreif und wurde zudem in das Arbeitsschutzprämien-Programm der BG BAU aufgenommen.

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Sonepar Deutschland Region Nord-Ost GmbH

Im Sonepar-Logistikzentrum Garbsen werden neben anderen Bauteilen täglich bis zu 400 Kabeltrommeln bewegt. Die unhandlichen Trommeln mit einem Einzelgewicht von 80 kg mussten bisher manuell auf Paletten umgestapelt werden – eine enorm rückenschädliche Belastung für das Logistikpersonal. Versuche mit aktiven Exoskeletten hatten sich in der Vergangenheit als unpraktisch und unkomfortabel erwiesen. Gemeinsam mit der Firma Hayer Metalltechnik wurde ein lenkbarer Spezial-Greifarm konzipiert, der die Trommeln sicher aufnehmen, anheben und wieder absetzen kann. In der Konzeptionsphase wurden Ideen und Wünsche der direkt Beschäftigten am Sortierplatz berücksichtigt, um eine möglichst hohe Akzeptanz zu erreichen. Die Rechnung ging auf: Sämtliche Mitarbeitenden sind begeistert und können ihrer Aufgabe nun rückenschonend nachgehen.

Kategorie "Newcomer"

In der Kategorie „Newcomer“ werden Anbieter ausgezeichnet, die Neuentwicklungen oder wesentliche Verbesserungen von Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen auf den Markt gebracht haben, welche die Arbeit von Menschen sicherer und/oder gesünder machen.

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Beck Kommunikationselektronik

Ein ergonomisch optimierter Arbeitsplatz beugt langfristig Haltungsschäden vor und dient der Rückengesundheit. Viele Unternehmen investieren deshalb in Schulungen zum körperschonenden Arbeiten oder in hochwertige Produkte wie höhenverstellbare Tische und Stühle. Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn die individuell korrekte, manchmal aufwendige Einstellung des Mobiliars unter fachlicher Anleitung geübt wird, etwa mit dem Betriebsarzt. Beim Wechsel an andere Arbeitsflächen oder Maschinen muss die Einstellung dann jedes Mal neu erfolgen – ein Aufwand, den viele Beschäftigte scheuen. Kundinnen und Kunden von Beck Kommunikationselektronik in Stockach haben es seit Einführung einer speziellen Maschinenfreischaltung leichter: Zum Beispiel kann bei der Arbeit an Hubtischen ihre vorab ermittelte persönliche Ideal-Arbeitshöhe auf einem RFID-Chip gespeichert werden, der als „Ergonomie-Schlüssel“ für diesen speziellen Arbeitsplatz dient. Das schlichte Einstecken des Chips in das Lesegerät veranlasst den Hubtisch, zügig in die exakt richtige Position zu fahren. Das vermindert zeitraubende manuelle Einstellungen, macht die Arbeit angenehmer und entlastet die Rücken der Beschäftigten nachhaltig.